Freitag, 29. Oktober 2010

Lebendige Musik

(English version below)

Punk ist nicht tot. Jesus lebt. Und Ska hält sich auch immer noch ganz wacker. Da hätten wir also so etwas wie die heilige Trinität des guten Musikgeschmacks. Punk, Jesus und Ska sind auch nach all den Jahren immer noch so frisch wie am ersten Tag. Das beweist auch ein kürzlich erschienener Sampler von Indie Vision Music mit dem Titel „Ska Lives, Vol. 1“. Höchst lebendig präsentieren sich hier ganze 30 christliche Ska-Bands, die je einen Song zu der Compilation beitragen.

Sonntag, 24. Oktober 2010

Die Schöpfkeule

Sieben. Die Sieben ist die Zahl des Lebens. Denn die Sieben gibt dem Leben Struktur. Sieben Tage hat die Woche. Sieben Weltwunder hat die Antike. Sieben Kontinente hat die Erde. Sieben Todsünden hat die Katholische Kirche. Sieben Mägen hat die Kuh (ungefähr). Sieben Ecken hat ein Heptagramm. Sieben Zwerge hat Schneewittchen. Und – in sieben Tagen hat Gott die Welt erschaffen. Dachte man zumindest früher. Bis dann im 19. Jahrhundert Charles Darwin auf den Plan trat und mit seinen Ansichten ordentlich für Furore sorgte. Da erdreistete sich dieser Darwin doch, in seinem Buch „The Descent of Man“ (Die Abstammung des Menschen) zu behaupten, die Menschen seien gar nicht durch Schöpfung sondern durch Evolution entstanden, und die Menschheit stamme folglich nicht von Adam und Eva sondern vom Affen ab.

Donnerstag, 21. Oktober 2010

Angriff und Verteidigung

(English version below)

Same as Sunday blasen zur Attacke. Das Quartett aus Indianapolis hat diesen Monat seine neue EP „Earn Your Stripes“ veröffentlicht. Blasse Jungs und krasse Musik. Der Sound von Same as Sunday basiert auf meist schnellen Hardcore-Riffs. Dazu mischt sich hin und wieder ein Metal-Einschlag, der dann für einen Augenblick sehr betont in den Mittelpunkt tritt, um gleich anschließend wieder aus dem Gehörgang zu verschwinden. Die Metal-Note wird hier also mit einem Augenzwinkern vorgetragen, so dass sie eher amüsiert als stört. Über dem Gitarren-Brett liegt ein extrem melodiöser Gesang, der mich an die Kollegen von Relient K erinnert. Ab und zu flechten Same as Sunday außerdem sehr poppige Elemente in ihre Stücke ein, die alle Punk-Rock-Klischees durchbrechen. Die Mixtur, die sich ergibt, bezeichnet die Band selbst als Happy Hardcore. Sie ist derartig eingängig und gleichzeitig unterhaltsam, dass die Platte bei mir erstmal in Endlosschleife weiterläuft.

Dienstag, 12. Oktober 2010

No Brain - no Pain

Wer in die Kirche geht und einen Gottesdienst besucht, sollte am besten das Gehirn am Eingang abgeben. Zumindest würde dies vieles erleichtern, sagen viele. Denn wenn in der Kirche lauter haarsträubende Dinge gesagt und geglaubt werden, dann tut dies nicht ganz so weh, weil der eigene Verstand ja auf Standby geschaltet wurde. So sieht es auch die Band 2LHUD aus Köln. Die Jungs spielen einen coolen Crossover aus viel Punk mit je einer Prise Elektro, Reggae und ungarischer Folklore. Auf ihrem Debut-Album „Steckdose – Licht“ (Nix Gut 2005) trägt der erste Song den Titel „Spiele und Brot“.

Dienstag, 5. Oktober 2010

Gott ist wirklich da

Ein Interview mit Joe Yerke von den Insyderz
(English version below)

Nur noch wenige Wochen, dann kommen die Insyderz nach Europa und werden einige Konzerte in der Schweiz, den Niederlanden und Deutschland geben, unter anderem beim Rock Without Limits Festival. Ihr Skacore-Sound wird dabei sicherlich die eine oder andere Butze zum Beben bringen. Die exakten Tourtermine gibt es auf der Facebook-Seite der Band. Und für die erste Hälfte des kommenden Jahres haben die Jungs aus Detroit eine neue CD angekündigt. Im Vorfeld der Europa-Tour durfte ich dem Bandgründer und Frontmann Joe per Mail ein paar Fragen stellen.

Donnerstag, 30. September 2010

„Heiliger Arschtritt"

Seit wenigen Tagen kann man sie in freier Wildbahn antreffen: die neue EP „Hate around Me“ der sächsischen Hardcore-Combo El Sabio. Aber seht euch vor! – Mit ihren scharfen Riffs und bellenden Shouts gehört diese Platte zu den wirklich bissigen Vertretern ihrer Spezies. El Sabio mögen es auf die harte Tour, aber allzu starke Anleihen beim Metal vermeiden sie erfreulicherweise. Denn anders als viele andere New-School-Bands verzichten sie auf eine zweite Gitarre und haben stattdessen zweimal Vocals mit an Bord. Beide Shouter setzen ihre Stimmen konsequent als Rhythmus-Instrumente ein und hauen damit in die gleiche Kerbe wie Gitarre, Bass und Schlagzeug. So entsteht ein extrem druckvoller Sound, mit dem die Jungs aus dem Erzgebirge ihrer Hörerschaft einen Heiligen Arschtritt verpassen.

Mittwoch, 22. September 2010

Sinn und Unsinn

Den Track „Stand“ haben Good Riddance im Jahr 1997 zur Fat-Wreck Compilation „Physical Fatness“ beigesteuert. Darin beschreiben sie diesen besonderen Augenblick, in dem die Welt um dich herum eigentlich trübe aussieht, und dann aber doch plötzlich irgendwoher Hoffnung aufkeimt. Erklären lässt sich das nicht, aber manchmal ist es einfach so, dass du merkst: Ich bin hier, und das Leben wird schon weiter gehen.

Dienstag, 14. September 2010

Suchen oder Gefunden-Werden

Vor einem guten Jahr erschien das neueste Rancid-Album mit dem Titel „Let the Dominoes Fall“ (Hellcat 2009). Mit ihrer gewohnt soliden und melodiösen Musik macht die Band hier ordentlich Werbung für den Punk. Diese Werbung kommt auch in den Texten vor, denn das Lied „You Want It, You Got It“ gipfelt in der einigermaßen erstaunlichen Aussage:
I made a decision:
Punk Rock is my religion.

Mittwoch, 8. September 2010

Shout to the Lord

Wenn du dich bei einem Hillsong-Konzert von hinten auf die Bühne schleichst und den Singenden mit, sagen wir, einer Gabel in den Po piekst – dann schreien diese zwar vermutlich, aber trotzdem ist das dann noch nicht Punk. Denn zu einem ordentlichen Punk-Auftritt gehören neben Geschrei auch noch dreckige Gitarren, schnelle Rhythmen und dieses gewisse Quäntchen Dreistigkeit. Und genau diese Mischung bietet die Band Praiser aus Hamburg auf ihrem neuen Album „Blessed Be the Punk“ dar. Dem alten christlichen Slogan „Ich will rufen zu dem Herrn“ verleihen Praiser so eine erfrischend neue Bedeutung.

Freitag, 3. September 2010

Licht aus?

Phos ist eine, besser: war eine Punk Band aus Sachsen, die sich in etwa so angehört hat, als feierten die Descendents zusammen mit den Ärzten eine Pool-Party. Nach einem fetten Konzert auf dem Zwickauer Stadtfest hat die Band sich vor 14 Tagen nun aufgelöst. Schade eigentlich, denn jetzt droht es, duster zu werden. Das Wort „Phos“ kommt aus dem Altgriechischen und bedeutet „Licht“. Und auf Altgriechisch sind im Original auch die Schriften des Neuen Testaments verfasst. Jesus sagt dort einmal zu seinen Leuten: „Ihr seid das Licht der Welt“ (Matthäusevangelium, Kapitel 5). Damit meint er: Wenn es sonst schon nicht so besonders sonnig und heiter aussieht in der Welt, dann sind wohl wenigstens seine Freunde dafür zuständig, so gut sie können Beleuchtung zu verbreiten. Mit „It's Time for Us“ haben Phos sogar einen Song über dieses Thema geschrieben. Bleibt zu hoffen, dass die Jungs ihre Lampen nun anderswo weiterbrennen lassen.