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Dienstag, 5. Februar 2013

Wohin?

Was ist eigentlich Religion? Das zu entscheiden, ist ja reichlich kompliziert geworden. Schließlich leben wir in einer Zeit, in der man so ziemlich alles glauben kann und darf. In einem sehr weit gefassten Sinn könnte man vielleicht sagen: „Religion ist der Glaube an 'etwas Höheres' und bestimmt Leben der Glaubenden.“ Wieso philosophiere ich über solches abstrakte Zeugs herum? Na klar – weil sich auf meinem Plattenteller im Moment die neue Scheibe von Bad Religion dreht.

Dienstag, 15. Januar 2013

Irgendwie befreiend

Es klemmt. Um Musik mit Worten zu beschreiben, ist es ja immer ganz praktisch, die eine oder andere Schublade zu benutzen. Aber so sehr ich mich auch bemühe: Das, was Emily Still Reminds da schon wieder abliefern, will einfach in keine meiner Schubladen hinein passen. Denn zu vielfältig sind die Facetten, die das schwäbische Postcore-Quartett in seiner Musik vereinigt. Das brandneue Video „There Is Hope“ bietet einen Vorgeschmack auf das Album, das im Februar erscheinen soll. Emily Still Reminds schaffen es, gleichzeitig ruhig und explosiv, gleichzeitig schön und aggressiv zu klingen. Entfernt erinnert das an die Beauticore-Platte der Comrades aus dem letzten Jahr. Damit versperren sich die Jungs aus Herrenberg gegen die Enge meines Genre-Schranks. Irgendwie befreiend.

Donnerstag, 5. April 2012

Jesus

Ostern steht vor der Tür. Während viele ja meinen, dass dieses Fest gefeiert wird, weil da mal irgend so’n Hase gestorben ist, wissen wir Schlaubies natürlich, dass es an Ostern um Jesus geht. Vor langer Zeit gab es mal ein schmissiges und österliches Lied über Jesus, das auch heute noch in manchen Gesangbüchern zu finden ist, und das ging so:
Welch ein Freund ist unser Jesus,
o wie hoch ist er erhöht!
Er hat uns mit Gott versöhnet
und vertritt uns im Gebet.

Samstag, 10. Dezember 2011

Der Blick ins Jenseits

Mit dem Ausdruck „Thousand Yard Stare“ bezeichnen amerikanische Soldaten den leeren und teilnahmslosen Blick eines nach der Schlacht erschöpften Kameraden. Craig's Brother haben diesem Starren einen gleichnamigen Song auf ihrem aktuellen Album („The Insidious Lie“, 2011) gewidmet. Das Lied beschreibt die depressive Weltsicht eines Kämpfers, der aus dem Krieg nach Hause zurückgekehrt ist. Dort heißt es:

Freitag, 30. September 2011

Superjesus

Was ist der Unterschied zwischen Jesus und einem beliebigen anderen Superhelden? Richtig – dass Jesus am Ende schwächelt. Zwar ist er schon irgendwie auch super. Aber Jesus nimmt eben dieses unrühmliche Ende und wird ans Kreuz genagelt. Wo sind da seine Superhelden-Kräfte geblieben? Anscheinend futsch. Viele finden das zu Recht ärgerlich. Alles hätte doch so schön enden können, wenn Jesus als starker Held irgendeine andere Lösung gefunden hätte.

Montag, 29. August 2011

Keep God out of Hardcore

(English version below)

Am Wochenende habe ich eine Punkrock-Show besucht. Mitten im Pit sprang ein Hardcore-Fan herum, dessen T-Shirt ich interessant fand. Denn darauf stand in großen Stencil-Buchstaben der alte Slogan „Keep God out of Hardcore“. Ich habe mich über dieses Statement gefreut. Und Gott sich auch, glaube ich.

Sonntag, 3. Juli 2011

Mal ehrlich...

Lasst mich mal ehrlich sein: Wieviele Leute gibt es eigentlich, die mich wirklich kennen? Ich meine: so richtig kennen, einschließlich der Eigenschaften, die ich wenig werbewirksam finde? Vermutlich sind es nur wenige. Schließlich existieren Seiten an mir, die ich mit Absicht versteckt halte. Auf diese Weise meine ich, meine Chancen zu erhöhen, dass meine Mitmenschen mich liebenswert finden. Das ist ein bisschen traurig, aber es ist halt so. Was mich tröstet, ist die Einsicht, dass ich offenbar nicht der Einzige bin, der mit diesem Thema kämpft. Die Jungs von Hawk Nelson beschreiben das gleiche Dilemma in ihrem Song „Skeleton“. Die Metapher, die dem Lied zugrunde liegt, gefällt mir irgendwie: Solange ich mein Innerstes vor vielen anderen versteckt halte – sagen Hawk Nelson – können die anderen mich nur als Skelett wahrnehmen, also nicht als einen Menschen aus Fleisch und Blut. Zum Menschsein gehören eben auch die nicht ganz so erfreulichen Seiten dazu. Um nicht ein Skelett zu bleiben, darf ich ehrlich sein. Die Wahrheit macht frei. Wer ehrlich ist, wird erst dadurch als wirklicher Mensch für die Mitmenschen sichtbar. Das schließt ja nicht aus, dass ich mich an den Punkten verändern kann, mit denen ich nicht zufrieden bin. Aber ich muss auch nicht krampfhaft in dem Versteckspiel hängen bleiben, um anderen den Helden vorzuspielen, der ich in Wahrheit gar nicht bin.

Dienstag, 14. Juni 2011

Verbrechen ohne Opfer

„Was du nicht willst, dass man dir tu, das füg' auch keinem andren zu“, lautet eine alte Redensart. Sie taucht schon in der Antike auf, zum Beispiel bei Jesus und verschiedenen anderen klugen Köpfen. Ist ja auch sehr einsichtig: Wenn dir jemand vor das Schienbein tritt, dann zwiebelt das ziemlich. Keiner lässt sich deswegen gerne treten. Und es braucht auch nicht viel Phantasie, um sich auszumalen, dass auch andere nicht gerne getreten werden. Was liegt also näher, als ein Verbot zu erlassen, das es untersagt, anderen Leuten einen saftigen Tritt zu verpassen? Große Teile unserer modernen Gesetzgebung funktionieren nach diesem Prinzip: Füge deinen Mitmenschen kein Leid zu, denn schließlich hast du selbst das auch nicht gerne. Keiner ist gerne das Opfer.

Mittwoch, 4. Mai 2011

Kuddelmuddel im Vereinigten Königreich

Doppelt gemoppelt hält besser. Das dachten sich schon die Dichter der biblischen Psalmen. Deswegen sagen sie gerne das Gleiche zweimal mit unterschiedlichen Worten. Beispielsweise am Anfang des bekannten Psalm 108: „Gott, deine Güte ist so groß wie der Himmel / und deine Treue ist so weit wie die Wolken.“ Zwei Aussagen, eine Bedeutung. Die biblische Versdichtung benötigt keinen Reim, sondern sie basiert ganz auf dieser Doppelmoppeligkeit. Die Fachleute nennen das den „poetischen Parallelismus“, weil immer zwei Aussagen parallel zueinander stehen.

Freitag, 22. April 2011

Kermit Kristus

„Sei kein Frosch!“ könnte gut ein altes katholisches Sprichwort sein, das aus der Karfreitags-Liturgie stammt. Ist es aber natürlich nicht. Der Karfreitag gilt ja in allen christlichen Kirchen als einer der höchsten Feiertage, denn die Glaubenden gedenken hier an den Tod Jesu. Jesus stirbt und löffelt damit die Suppe aus, die sich eigentlich die Menschen selbst eingebrockt haben. Auf diese Weise dient der Tod Jesu nach christlicher Überzeugung zur Erlösung für die Menschen. Und dem entsprechend betrachten die Christinnen und Christen die Kreuzigung als etwas ganz Besonderes.

Dienstag, 8. Februar 2011

Schlechter Umgang

Letztes Wochenende auf dem Flohmarkt habe ich eine Platte der Band DAF (Deutsch-Amerikanische Freundschaft) erbeutet. Deren Musik war in den frühen 80ern so eine Art Synthie-Punk und hörte sich an wie eine Mischung aus Rammstein und Minimal Elektro. Irgendwie selt- und unterhaltsam gleichzeitig. Jedenfalls ist auf diesem Album „Alles ist gut“ (Virgin 1981) ein Track enthalten, in dem der Herr Jesus Christus vorkommt.

Donnerstag, 27. Januar 2011

Das Knie

Wenn jemand einen Preis für den ulkigsten Körperteil ausloben würde, dann hätte das Knie vermutlich ganz gute Chancen auf den Titel. Ich persönlich finde das Knie merkwürdig. Es liegt irgendwie – am Design. Sieht doch echt komisch aus, so ein Knie, oder nicht? Und es gibt vermutlich kaum jemanden, der das Knie als besonders schön oder sogar sexy ansieht. Mal abgesehen vielleicht von ein paar älteren Herren mit absonderlichen Vorlieben, die sich in zwielichtigen Regionen des Internets herumtreiben. Dennoch kann das Knie etwas, was andere Körperteile nicht können: das Knie ermöglicht es, das Bein in der Mitte einmal einzuklappen. Das ist nicht nur beim Laufen irre praktisch sondern vor allem auch beim Sitzen.

Donnerstag, 13. Januar 2011

Getuschel

Wenn Tonträger sich unbeobachtet wähnen, dann fangen sie an, miteinander zu tuscheln. Ohne Scheiß! – Müsst mal drauf achten. Zum Beispiel diese Sampler mit alten Schlagern aus den 70ern und 80ern, die es kistenweise auf dem Flohmarkt gibt. Ich tue dann so, als würde ich mir eine alte Vase oder sowas ansehen, und dabei belausche ich die Platten in der Kiste unter dem Tapeziertisch, wie sie einander etwas von alter Liebe und Romantik vorsäuseln. Oder wenn ich im Elektronik-Markt eilig durch den Gang mit den Top 100 laufe, dann schnappe ich Gesprächsfetzen auf, weil die CDs sich zu heißen Parties in der Nacht verabreden. Bei mir zu Hause im Regal gibt es ja vor allem Punk-Platten. Und Punk-Platten diskutieren. Erst gestern Abend wieder habe ich ein Streitgespräch zwischen einer Platte von Bad Religion und einer Platte von MxPx mitbekommen. Es ging dabei um Gott und um die Frage, ob er die Menschen liebt.

Dienstag, 14. Dezember 2010

Hirschkuh der Frühe

Letztens bin ich mal wieder auf ein kurioses Druckerzeugnis gestoßen, namentlich auf das Buch „Rock-, Pop- und Technomusik und ihre Wirkungen“ von Adolf Graul. Herr Graul findet moderne christliche Musik scheiße und trägt deswegen die beiden folgenden Hauptargumente vor: Erstens lenke Radaumusik vom Text eines Liedes ab, und das gefalle Gott nicht. Zweitens mache Radaumusik aggressiv, und das gefalle Gott nicht.

Sonntag, 28. November 2010

Deutschland Deja Vu

Folgende Situation: Da ist dieser Mensch, der sich ganz offensichtlich in Not befindet. Eigentlich wäre es kein großer Akt, ihm zu helfen. Aber alle, die ihn sehen, wenden sich lieber schnell ab und sind froh, wenn sie ihre Augen vor der Notlage des Menschen verschließen können. – Dies ist die Story, die dem Lied „Was für ein Land“ der Band BILDungslücke (Heike M. 7“, BILDungsRec 1999) zugrunde liegt.

Mittwoch, 17. November 2010

Erinnerungen

Die letzten Tage im November haben doch wohl echt was Tristes. Die Bäume werfen ihr letztes Laub ab. Es wird kalt. Die Natur kommt zum Stillstand. Und ich habe auch den Eindruck, dass die Menschen um mich herum etwas depressiver drauf sind als sonst. Der Herbst macht nachdenklich. Herbst bedeutet Zerfall. Das regt mich zur Beschäftigung mit einem Thema an, dass uns alle betrifft, vor dem wir aber gerne die Augen verschließen: dem Tod.

Freitag, 5. November 2010

Jesus in Berlin

Gott ist allgegenwärtig, also überall anwesend – so lautet ein wichtiger Lehrsatz der christlichen Theologie. Aber wenn ich mich so umschaue, dann gilt das mit der Allgegenwart wohl nicht nur für Gott sondern auch für Jesus. Auf Schritt und Tritt verfolgt der Typ mich: Viele tragen den Gekreuzigten an einer Kette um den Hals. Regelmäßig lächeln mich Jesus-Konterfeis von den Titelseiten von Zeitschriften an, die mir erklären wollen, wie Jesus wirklich war. Kirchengebäude sind oft regelrecht überfrachtet mit Jesus-Darstellungen. Und im Radio dudelt mal wieder Green Day's „Jesus of Suburbia“.

Sonntag, 24. Oktober 2010

Die Schöpfkeule

Sieben. Die Sieben ist die Zahl des Lebens. Denn die Sieben gibt dem Leben Struktur. Sieben Tage hat die Woche. Sieben Weltwunder hat die Antike. Sieben Kontinente hat die Erde. Sieben Todsünden hat die Katholische Kirche. Sieben Mägen hat die Kuh (ungefähr). Sieben Ecken hat ein Heptagramm. Sieben Zwerge hat Schneewittchen. Und – in sieben Tagen hat Gott die Welt erschaffen. Dachte man zumindest früher. Bis dann im 19. Jahrhundert Charles Darwin auf den Plan trat und mit seinen Ansichten ordentlich für Furore sorgte. Da erdreistete sich dieser Darwin doch, in seinem Buch „The Descent of Man“ (Die Abstammung des Menschen) zu behaupten, die Menschen seien gar nicht durch Schöpfung sondern durch Evolution entstanden, und die Menschheit stamme folglich nicht von Adam und Eva sondern vom Affen ab.

Dienstag, 12. Oktober 2010

No Brain - no Pain

Wer in die Kirche geht und einen Gottesdienst besucht, sollte am besten das Gehirn am Eingang abgeben. Zumindest würde dies vieles erleichtern, sagen viele. Denn wenn in der Kirche lauter haarsträubende Dinge gesagt und geglaubt werden, dann tut dies nicht ganz so weh, weil der eigene Verstand ja auf Standby geschaltet wurde. So sieht es auch die Band 2LHUD aus Köln. Die Jungs spielen einen coolen Crossover aus viel Punk mit je einer Prise Elektro, Reggae und ungarischer Folklore. Auf ihrem Debut-Album „Steckdose – Licht“ (Nix Gut 2005) trägt der erste Song den Titel „Spiele und Brot“.

Mittwoch, 22. September 2010

Sinn und Unsinn

Den Track „Stand“ haben Good Riddance im Jahr 1997 zur Fat-Wreck Compilation „Physical Fatness“ beigesteuert. Darin beschreiben sie diesen besonderen Augenblick, in dem die Welt um dich herum eigentlich trübe aussieht, und dann aber doch plötzlich irgendwoher Hoffnung aufkeimt. Erklären lässt sich das nicht, aber manchmal ist es einfach so, dass du merkst: Ich bin hier, und das Leben wird schon weiter gehen.