Dienstag, 12. Oktober 2010

No Brain - no Pain

Wer in die Kirche geht und einen Gottesdienst besucht, sollte am besten das Gehirn am Eingang abgeben. Zumindest würde dies vieles erleichtern, sagen viele. Denn wenn in der Kirche lauter haarsträubende Dinge gesagt und geglaubt werden, dann tut dies nicht ganz so weh, weil der eigene Verstand ja auf Standby geschaltet wurde. So sieht es auch die Band 2LHUD aus Köln. Die Jungs spielen einen coolen Crossover aus viel Punk mit je einer Prise Elektro, Reggae und ungarischer Folklore. Auf ihrem Debut-Album „Steckdose – Licht“ (Nix Gut 2005) trägt der erste Song den Titel „Spiele und Brot“.
Lächelnd glauben,
glaubend seh'n:
Kein Gehirn heißt
kein Problem.
Der Song wendet sich gegen jede Art von Wahrheit, die den Menschen von oben herab aufgepresst werden soll. Insofern berührt er auch das Wahrheitsmonopol der Kirchen. Glaube ist hier dann gewissermaßen das Gegenteil von Hirn. Das Vertrauen in die Existenz Gottes kommt nach dieser Sichtweise nur für wirklichkeitsfremde Dullies in Betracht. Sie tragen ein abwesend-seliges Lächeln auf dem Gesicht, weil ihre Hirnlosigkeit ihnen die Begegnung mit der Realität erspart. Es ist zu befürchten, dass dieses Bild zwar übertrieben ist aber im Kern durchaus ein existierendes Problem anspricht. Den Gläubigen, die tatsächlich lieber auf irgendwelche Autoritäten hören, anstatt ihren Verstand zu gebrauchen, halten 2LHUD einen Spiegel vor, wenn sie behaupten: Ein Toastbrot hat mehr Grips als ihr!

Aber es gibt auch andere Meinungen zum Thema. Da wäre zum Beispiel Aurelius Augustinus. Er lebt im 5. Jahrhundert und gehört als Theologe und Philosoph zu den bedeutendsten Brains seiner Zeit. Auch heute noch genießen Augustinus' Schriften ein hohes Ansehen in der Philosophie, so dass sie regelmäßig von wichtigen Denkern des 21. Jahrhunderts zitiert werden. Augustinus kann sein Gehirn sachgemäß einsetzen und glaubt trotzdem an Gott. Er schreibt:
Nicht jeder, der denkt, glaubt, da doch viele nur deshalb denken, um nicht glauben zu müssen; aber jeder, der glaubt, denkt, und glaubend denkt er und denkend glaubt er.
Glaube und Gehirn müssen sich also nicht unbedingt wie Feuer und Wasser zueinander verhalten. Augustinus kann beides miteinander verbinden ohne dabei bekloppt zu werden. Im Gegenteil! - Er sieht es sogar als notwendig an, den Verstand einzuschalten, um glauben zu können. Glaube bedeutet für Augustinus nicht, sinnfreie Dogmen kritiklos herunterzuschlucken. Sondern Glaube bedeutet für ihn, dem Gegenstand des Glaubens denkend zu begegnen.

Gemeinsam mahnen Augustinus und 2LHUD die Autoritätshörigen dieser Welt dazu, nicht stumpfsinnig jeden Mist zu schlucken. Für jede Überzeugung gilt: Es gibt auch andere Meinungen. Denkt mal drüber nach!

Kommentare:

  1. Vielen Dank übrigens an Simone für das Augustinus-Zitat.

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  2. Hey Tobi, danke für das Feedback. Ich find's halt ulkig, dass viele behaupten, man müsste nur genug nachdenken, um zu merken, dass die eigene Meinung richtig ist und alles andere nicht stimmt. Dummerweise nehmen das die Vertreterinnen und Vertreter ganz unterschiedlicher Sichtweisen für sich in Anspruch.

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